Universitätsmedizin und Großleitstelle arbeiten enger zusammen
Neuer Innovationscluster für Notfallversorgung und Gefahrenabwehr
Oldenburg. Wie häufig rufen Menschen ohne lebensbedrohlichen Notfall einen Rettungswagen? Welche Notfälle sind die häufigsten Gründe für einen Anruf unter der Nummer 112? Wie gut funktionieren die Versorgungsketten vom Notruf bis zur Nachsorge? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich jetzt der neue Innovationscluster für Notfallversorgung und Gefahrenabwehr (INGA). Er ist ein gemeinsames Vorhaben der Universitätsmedizin Oldenburg (UMO), der Großleitstelle Oldenburger Land und deren Trägerkörperschaften.
Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung haben heute Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder, Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg, und Frank Leenderts, Geschäftsführer der Großleitstelle Oldenburger Land, unterschrieben. Anwesend waren außerdem Vertreter*innen der Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie der kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg. Im Auftrag dieser Kommunen steuert die Großleitstelle die Feuerwehr- und Rettungseinsätze in der Region. In Kooperation mit 36 Rettungs- und 155 Feuerwachen disponiert die Großleitstelle von Oldenburg aus mehr als 2.000 Einsatzfahrzeuge.
„Unsere Zusammenarbeit ist ein Beispiel dafür, wie universitäre Forschung unmittelbar in der Region wirkt und zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Menschen beiträgt, die hier leben“, sagte Bruder. Im Rahmen der Forschung zum Thema Notfallversorgung hat die Universität das Oldenburger Forschungsnetzwerk Notfall- und Intensivmedizin aufgebaut. Diese Vernetzung mit Rettungsdiensten, Katastrophenschutzbehörden, Krankenhäusern und Hausärzteschaft ist ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der niedersächsischen Hochschullandschaft und bietet die idealen Voraussetzungen für den Innovationscluster.
Hintergrund der engen Zusammenarbeit sind die immer komplexeren Herausforderungen in der Notfallversorgung. Fachkräftemangel, Krankenhauszentralisierungen, die steigende Zahl älterer Menschen, die allein zu Hause leben – Entwicklungen wie diese erfordern, regelmäßig zu überprüfen, ob Ressourcen der Notfallversorgung optimal eingesetzt sind und genügen. Einfache statistische Auswertungen reichen für diese Betrachtungen nicht aus. Wie oft und für welche Notfälle der Rettungsdienst ausrücken muss, hängt auch mit anderen Sektoren des Gesundheitswesens zusammen. Ein Beispiel: Kann der Hausarzt keinen Hausbesuch machen, wählt eine Person, die Schmerzen hat und nicht selbst einen Arzt aufsuchen kann, im Zweifel die 112 – auch wenn für sie der ärztliche Notdienst unter der 116 117 eigentlich die richtige Stelle wäre. Die Zusammenarbeit zwischen Großleitstelle und Universität soll künftig Analysen vollständiger Prozessketten und Zusammenhänge ermöglichen.
„Die Sicherstellung einer leistungsfähigen Notfallversorgung ist eine zentrale Aufgabe für unsere Region. Angesichts grundlegender Zukunftsfragen wie neuer Versorgungsmodelle oder der sektorenübergreifenden Patientensteuerung braucht es eine enge Verzahnung von Praxis und Wissenschaft. Mit der Kooperation bündeln wir die operative Erfahrung aus den Bereichen Leitstelle, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz mit der wissenschaftlichen Expertise der Universität, um relevante Fragestellungen fundiert zu analysieren und die Notfallversorgung zukunftsfähig weiterzuentwickeln.“, sagte Leenderts.
Die Großleitstelle richtet im Rahmen von INGA eine neue Stelle ein, die sich ausschließlich mit Forschungsdatenmanagement beschäftigt. Sie bereitet alle relevanten Daten, die zum Beispiel Rettungskräfte in Form von Einsatzprotokollen erheben, systematisch für Forschungszwecke auf. An der Universität entsteht eine Koordinationsstelle, die als Schnittstelle zu den Forschenden fungiert und sich auch mit dem Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis beschäftigt.
Die Vereinbarung gilt bis zum 31. Dezember 2030 und verlängert sich anschließend um jeweils fünf Jahre, sofern sie nicht gekündigt wird.