Modellregion Niedersachsen: Wärmeplanung soll vereinheitlicht werden
Oldenburg. Wie können Kommunen ihre Wärmeplanung vergleichbarer, effizienter und zukunftssicher gestalten? Dieser Fragestellung geht ein neues Forschungsprojekt an der Jade Hochschule nach, das erstmals Daten, Methoden und digitale Werkzeuge für die kommunale Wärmeplanung systematisch vereinheitlichen will. Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Sascha Koch untersuchen Wissenschaftler der Jade Hochschule, der Hochschule Bremen, dem Energiecluster OLEC und dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen bis Ende 2027 die Möglichkeiten und Grenzen einer bundesweiten Harmonisierung der Daten- und Methodengrundlage.
Im Fokus des im Januar gestarteten Projektes Niedersächsischer Wärmeplaner (kurz: NIWaP) steht die strategische Wärmeplanung – also die gebietsbezogene Ausweisung, welche Bereiche künftig über Wärmenetze oder dezentral versorgt werden sollen. Niedersachsen bietet sich im besonderen Maße als Beispielregion für die Untersuchung dieser Forschungsfrage an, da hier ein repräsentativer Querschnitt aller Gemeindegrößen über das gesamte Bundesland verteilt vorliegt. Dadurch ist die Übertragbarkeit der Projektergebnisse auf andere Bundesländer gewährleistet.
„Wir wollen den Nachweis erbringen, dass die für die Wärmeplanung erforderliche Daten- und Auswertungsgrundlage bundeslandweit standardisiert bereitgestellt werden kann. Die typischerweise sehr lange Vorlaufzeit in Kommunen für die Datenbereitstellung soll verkürzt werden, sodass Kommunen schneller in die Entscheidungsfindung kommen.“
Prof. Dr. Sascha Koch
Im Projekt NIWaP werden Bewertungsmethoden standardisiert und in einem interaktiven Geodatenanalyse-Werkzeug umgesetzt. Dies soll Kommunen bei Entscheidungen zur Wärmeversorgung unterstützen und es ermöglichen, die Projektergebnisse gemeinsam mit Modellkommunen zu evaluieren. Dabei wird das Geodatenanalyse-Werkzeug so konzipiert, dass die Entscheidungshoheit ausdrücklich bei den Kommunen verbleibt. Besonders adressiert werden kleinere Kommunen, die häufig nicht über eigene Geodatenanalyse-Kompetenzen und entsprechende Werkzeuge verfügen.
Zum Projekt
Das Projekt Niedersächsischer Wärmeplaner wird mit knapp 1,8 Millionen Euro gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Förderaufruf „Vom Plan zur Wende“ im achten Energieforschungsprogramm. Kooperationspartner sind neben der Jade Hochschule als Verbundkoordinatorin die Hochschule Bremen, Energiecluster OLEC und das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen.
Hintergrund
Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) ist die Wärmewende bundesweit gesetzlich verankert worden. Die Verantwortung für die Kommunale Wärmeplanung wird dabei den Kommunen als planungsverantwortlichen Stellen übertragen, um lokal optimale Lösungen auf strategischer Planungsebene zu entwickeln und umzusetzen. Mit Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben fünf Bundesländer bereits vor Verabschiedung des WPG eigene Wärmegesetze mit teils früheren Fristen eingeführt.
Die bereits vorliegenden Wärmepläne können ausgewertet werden, um Handlungsbedarfe für die zukünftige Kommunale Wärmeplanung (KWP) abzuleiten. Trotz der im WPG formulierten Vorgaben ist derzeit jedoch nicht zu erwarten, dass Wärmepläne bundesweit in gleich hoher Qualität und mit komplett einheitlicher Methodik entwickelt werden. Diese Heterogenität erschwert Vergleichbarkeit, Zusammenarbeit und Fortschreibung der Wärmepläne erheblich. Der Niedersächsische Wärmeplaner setzt hier an und will hier eine belastbare, bundesweit übertragbare Grundlage schaffen, auch im Hinblick auf die zukünftige Fortschreibung der Kommunalen Wärmepläne.