Zukunftswerkstatt: Wichtiger Dialog zur Raumordnung
Landkreis Stade. Das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) bewegt offensichtlich zahlreiche Menschen im Landkreis Stade. Mehr als 100 Interessierte kamen ins Kreishaus zur Zukunftswerkstatt, zu der Landrat Kai Seefried eingeladen hatte. Auch der Livestream wurde gut genutzt. Das Fazit fällt positiv aus: Die Experten informierten umfangreich, verschiedene Fragen konnten beantwortet werden, Anliegen der Bürgerinnen und Bürger nahm die Kreisverwaltung mit.
Der Landkreis Stade setzte mit der Zukunftswerkstatt unter dem Titel Raumordnung erneut auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und auf den Dialog mit ihnen. „Transparenz ist dem Landkreis Stade grundsätzlich und insbesondere bei der Neuaufstellung des RROP ein großes Anliegen“, sagte Kai Seefried.
Seit 2023 läuft die Neuaufstellung des RROP. Dieses Raumordnungsprogramm stimmt verschiedenste Nutzungsansprüche an den Raum, wie etwa Landwirtschaft, Energieerzeugung, Siedlungsentwicklung, Infrastruktur und Naturschutz, aufeinander ab und gleicht Konflikte aus. Es bringt die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang.
Das erste Beteiligungsverfahren zur Neuaufstellung dauerte von November 2025 bis Anfang 2026. Insgesamt 525 Stellungnahmen wurden eingereicht. Diese wertet die Kreisverwaltung derzeit aus, erläuterte Simon Grotthoff, Leiter des Amtes Planung, Klimaschutz und Kultur im großen Sitzungssaal: „Wir bereiten nun das zweite Beteiligungsverfahren vor.“ Stellungnahmen werden ausgewertet, Ergänzungen und Korrekturen begründet, zeichnerische Darstellungen angepasst, Überarbeitungen – insbesondere bei der Windenergie und der Kleigewinnung – werden erstellt. Mitte Oktober beginnt das zweite Beteiligungsverfahren und die öffentliche Auslegung. Oberstes Ziel ist es, bis Ende 2027 das neue RROP zu verabschieden.
Wichtig bei diesem Prozess sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit, da viele verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen, so Simon Grotthoff weiter: „Alle Beteiligten und Betroffenen müssen Kompromisse eingehen – wenn alle ein wenig unzufrieden sind, haben wir alles richtig gemacht.“
Einige Sorgen konnten die Referenten sowie Kreisbaurätin Madeleine Pönitz während der Zukunftswerkstatt ausräumen. Die Festlegungen des RROP bringt keine Berechtigungen zu Enteignungen oder zur Ausübung von Zwängen gegenüber Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümern mit sich. Das RROP trifft auch keine Vorwegnahmen von Ausweisungen von Naturschutzgebieten. Dies ist insbesondere für die aktuelle landwirtschaftliche Nutzung wichtig: Biotopverbund schränkt dies nicht ein, ausschließlich die Siedlungsentwicklung ist betroffen.
Das betonte auch der Geograph Jan-Christoph Sicard: „Es sollen Biotope miteinander verbunden werden.“ Es gehe vor allem um die Sicherung vorhandener Strukturen. „Genehmigungsfreie Flächennutzungen unterliegen keiner Steuerung durch die Raumordnung und sind von Zielen und Grundsätzen der Raumordnung unberührt“, so Jan-Christoph Sicard.
Dr. Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg stellte die Herausforderungen der Raumordnung dar. Insbesondere der menschgemachte Klimawandel und seine Anforderungen an den Raum müsse berücksichtigt werden, so Stefano Panebianco: „Der Klimaschutz muss gestärkt und vorsorgliche Anpassungen an den Klimawandel getroffen werden.“ Außerdem lobte er die Zukunftswerkstatt, die über die übliche Beteiligung der Öffentlichkeit hinausgeht: „Planung muss immer wieder erklärt werden. Der Landkreis Stade geht mit solch einer Veranstaltung über die Vorgaben hinaus – das ist sehr gut.“
Dazu passt, dass auch Landvolk-Kreisgeschäftsführer Christoph Wilkens einen Impulsvortrag hielt und bei der Talkrunde auf dem Podium stand. Er plädierte für eine ausgewogene Abwägung verschiedener Nutzungsinteressen sowie für praxisnahe und flexible Regelungen. „Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist ganz besonders die Planungssicherheit wichtig“, sagte Christoph Wilkens, der ebenfalls die Veranstaltung lobte, weil die Landwirte Gehör fänden und sich einbringen konnten.